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23.08.2009

Odenwälder Thermik trägt himmelwärts

Markdorfer Segelflieger ließen sich für zwei Wochen auf dem Flugplatz Walldürn nieder – Flugschüler meisterte ersten Alleinflug

von Anja Traspel

Walldürn. Seit Samstag letzter Woche kreisen die Segelflieger aus Markdorf am Bodensee in den Lüften über den Odenwald. Für zwei Wochen haben rund 25 Flugsportbegeisterte ihr Lager auf dem Walldürner Flugplatz aufgeschlagen, um ungestört ihrer Leidenschaft, dem Fliegen, nachgehen zu können.
Jedes Jahr veranstaltet der Markdorfer Segelfliegerverein eine Sommerflugfreizeit für seine 40 Mitglieder auf auswärtigen Flugplätzen. Rund 25 davon haben dieses Mal das Angebot wahrgenommen und sind nach Walldürn gekommen. Da der Flugsportclub Odenwald schon lange mit dem Markdorfer Verein befreundet ist – Martin Westermann, 2. Vorsitzender in Walldürn, ist Fluglehrer beider Vereine, sein Bruder Helmut Westermann ist Vorsitzender der Markdorfer -  bot sich die Zusammenarbeit an. Sowohl für Flugschüler als auch für erfahrene Piloten ist es immer wieder spannend, andere Gegenden kennenzulernen. An Walldürn schätzen sie vor allem
die flache Landschaft und die thermisch günstige Lage des Flugplatzes. Die Thermik, die dadurch entsteht, dass Sonneneinstrahlung die Erdoberfläche und die bodennahe Luft erwärmt, spielt beim Segelflug eine wichtige Rolle. Nachdem die Maschinen von Seilwinden himmelwärts gezogenwerden, würden sie ohne aufsteigende Luftmassen kontinuierlich absinken. Die trockenen Getreidefelder im Umfeld des Walldürner Platzes heizen sich
bei Sonnenschein kräftig auf. Auf diese Weise kommt es zu großen emporsteigenden Warmluftmassen, die von den Piloten optimal zum Aufsteigen und Kreisen genutzt werden können.
„Der Flugsport ist vor allem ein Gemeinschaftssport. Ohne die Hilfe des Teams geht gar nichts“, erklärt Iris Westermann, die als Betreuerin die Truppe versorgt. Nicht nur die Flugvorbereitungen müssen gut organisiert sein, sondern auch alltägliche Dinge wie Kochen und Spülen gehören zu einem Fluglager dazu. Die Erwachsenen und Jugendlichen teilen sich die verschiedenen Aufgaben. Auch die fünf Fluglehrer wechseln
sich täglich ab. Vormittags unterrichten sie ihre Flugschüler, geben Ratschläge und helfen bei Flugmanövern. Ab 14 Jahren kann mit der Segelflugausbildung begonnen werden. Neben theoretischem Grundwissen, ist es besonders die Flugpraxis, auf die es ankommt. Ein ganz besonderes Ereignis stellt der erste Alleinflug dar, der erst nach etwa 100 Starts absolviert werden darf. Für den 15_jährigen Marwin Gedamke
war es diese Woche soweit. Er hat seinen ersten Flug ohne Fluglehrerbegleitung prima bestanden. Dies wurde dann nach alter Fliegersitte kräftig gefeiert. Dem erfolgreichen Flugschüler wurde ein spezieller Strauß mit Disteln und Brennnesseln übergeben. Das dornenreiche Gesteck soll dem Piloten mehr Gefühl in der Hand geben. Aber das ist nicht alles. Auch leerte man dem Absolventen einen Eimer Wasser über den Kopf. Dann durften die Kollegen ihm noch auf den Hintern hauen, damit dieser feinfühliger für aufströmende
Warmluft wird. Bei all dem Adrenalin, das man nach dem ersten Alleinflug in sich hat, lässt man diese Prozedur lächelnd über sich ergehen. Marwin ist jedenfalls glücklich, den ersten Schritt gemeistert zu haben. Abgeschlossen ist die Ausbildung nämlich noch lange nicht. Bis zum Flugschein bedarf es wohl noch ein bis zwei
Jahre Training. Während morgens Übungsrunden geflogen werden, sind ab dem Mittag die erfahrenen Piloten an der Reihe, die sich in anspruchsvollen Streckenflügen messen. Bis zu 500 Kilometer können sie an schönen Tagen zurücklegen. Dafür werden moderne Maschinen mit Computern eingesetzt. Eine Strecke in dieser Größenordnung zu überwinden, verlangt viel Erfahrung und Geschick. Man muss die Wetterlage perfekt einzuschätzen wissen und zur Not auch auf einem Feld landen können. Auch darf es den Fliegern nicht an Orientierungssinn fehlen, denn von oben sieht die Welt oftmals ganz anders aus. Es gibt also jede Menge zu beachten. Doch natürlich steht der Spaß am Hobby immer im Vordergrund. Der Reiz, allein mit der Kraft von Sonne und Wolken in der Luft zu bleiben, ist für die Segelflieger faszinierend. Sie lieben das „stille Abenteuer“ zwischen Himmel und Erde wie Dieter Slangen, Fluglehrer der Markdorfer zugibt.

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