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Klaus Krisch

"Flug mit Motorsegler" in neue Bundesländer 24./25.8.2001

Mit Franz (Wawa) unterhalte ich mich - ich will mein Dreieck fliegen. Wir Piloten müssen ja alle 2 Jahre unseren Luftfahrerschein verlängern. Mit Fliegerarzt und Augendoktor, Belastungs- EKG und so. Dazu gehört auch ein Navigations-Dreieck, bzw. 3 Flüge mit mind. 100 km Luftlinie.

„Hast Du Lust mit Deiner Maschine mitzukommen? Müsste doch Spaß machen, oder? Ich will mal nach Sachsen/ Thüringen.“ - Schnapsidee? Denkste, Franz nickt, nicht schlecht. Elmar fragt, fliegst Du allein, oder hast Du noch einen Platz frei? Klar, abgemacht, fliegen wir zu dritt mit 2 Motorseglern. Macht auch viel mehr Spaß. Muss halt koordiniert werden, Zeit, Wetter, Vorbereitungen. Also ein Trip in die neuen Länder.

Eine Übernachtung bei Seppel - meinem Cousin - Du ich komme mit 2 Mann, es ist Dir doch recht ?? OK, es klappt und Spaß dazu!

Also, telefonieren mit Wettergott, mit den Flugplätzen ( nicht alle Plätze sind täglich besetzt, man muss also Termin ausmachen, wann man landen will.) Route ausgeguckt. Flugvorbereitung: Kurs in Karte eingezeichnet, wo sind Hindernisse, wo ist Sperrgebiet/ Kontrollzonen, wo sind gute Auffanglinien, markante Punkte zur Navigation? Flugplatzkarten aus dem dicken Luftfahrthandbuch -in dem alle Plätze Deutschlands drin sind - raussuchen. Wichtig, um die Platz-Runde und Höhe, Landebahn-Richtung (Piste) Funkfrequenz zu wissen. Man kann nicht einfach hinfliegen und sagen hoppla, jetzt bin ich da. Macht man schön Platz für mich... Nein, 5 min vor Erreichen des Platzes Funkverbindung aufnehmen, sagen wer man ist mit Kennung + Typ des Flugzeugs, Position, woher man kommt und Lande-Info erfragen. So, jetzt weiß der Flugleiter, dass ein fremdes Flugzeug den Platz anfliegt, das sich dann nach seinen Anweisungen in den Platzverkehr einzufügen hat.

Die Route war: Walldürn - Kulmbach - Chemnitz - Langhennersdorf, (ein kleiner Grasplatz kurz vor Kontrollzone Dresden) 325 km.

Zurück: Langhennersdorf. - Jena - Coburg - Walldürn, 334 km Luftlinie.

Fr. früh am Platz, Maschine aus der Halle, durchchecken, voll tanken, Öl prüfen was vor jedem Start wichtig ist und kurz nach 9.00 Uhr ging's in die Luft. Wetter schien super zu sein,

Hoch über ganz Deutschland. Aber die Sicht war besch ... gegen die Sonne, vor uns nur Dunst. Da hieß es aufpassen! Luftraum beobachten, Kurs fliegen, mit Karte vergleichen. Das analoge Zifferblatt der Uhr ist ein prima Hilfsmittel um Richtungen zu benennen. - Zwei Uhr ein Flugzeug! Das ist viel tiefer als wir... Achtung 10 Uhr, ein weiteres gleiche Höhe wie wir - aufpassen! Immer konzentriert, Instrumente, Luftraum, Kurs. Dann ist alles -fast- kinderleicht.

Wir genießen den Flug, machen uns auf schöne Dinge, Burgen, Klöster, Seen od. Flussläufe aufmerksam Schön! Kulmbach naht, wir rasten die Frequenz, melden uns, beachten akustisch und visuell den Luftverkehr und landen. Geometer vermessen den Platz - neue Baumaßnahmen. Wir rollen zur Tankstelle, denn die nächsten Plätze haben keinen Sprit, also reintanken, was reingeht. Der Flugleiter gibt mir ein Autogramm + Stempel ins Flugbuch. Flugplätze, die neu für mich sind, werden im Flugbuch mit Stempel bedacht.

Die Sonne kommt durch den Dunst und es wird ganz schön warm, 35° soll es heute geben... Wir sagen Ade und weiter geht's nach Chemnitz. Wir überfliegen den Frankenwald, nördl. am Fichtelgebirge vorbei übers Erzgebirge. Bis kurz vor Plauen war ich schon mal mit dem Segelflugzeug, Navigation kein Problem. Sicht ist auch gut inzwischen. Wir folgen der Autobahn. Zwickau - Chemnitz-Jahnsdorf taucht auf. Wir melden uns im "langen Endteil" und landen direkt auf der Gras-Piste 07 -d.h. 70° . Toll werden wir begrüßt! Ein Bully kommt zu uns rausgefahren und bringt uns zum Tower, der relativ weit weg ist.

Ich telefoniere mit dem nächsten Platz und sage, dass es später wird als geplant. Von 13.00 bis 15.00 Uhr ist der Platz geschlossen. Freundliche Antwort: „Nicht schlimm, Ihr landet einfach mit abgestelltem Triebwerk! Segelflieger dürfen landen und rollt dann runter zu Halle“.

OK. Landegebühr bezahlen, verabschieden, werden wieder rausgefahren zu den Flugzeugen und die Maschinen werden fotografiert. Die Chemnitzer sammeln neue Flieger und Kennzeichen, wie ich die Flugplatzstempel. Mit Seppel telefoniert, er holt uns ab und erwartet uns am Flp.. Wir erhalten noch Instruktionen, wie wir den Abflug machen müssen - damit es keinen Ärger mit den Anwohnern gibt - Rücksicht nehmen, ganz wichtig!!

In die Luft, zum Etappenziel Langhennersdorf. Rechts sehen wir die Augustusburg und schon ist der Platz da - denkste - wo ist er denn ?? Aha, hier direkt rechts von uns. Wir sehen ein paar Flugzeuge stehen. Grasplätze sind manchmal schwer zu finden. Motor aus, links rum und reingelandet, Seppel steht rechts und winkt - sanfte Landung und dann werden wir durchgeschüttelt ,puuuuhh. Wawa freut sich über den Riesenslip und wir hoppeln zur Halle. Herzliche Begrüßung, Landegebühr 4 Mark. Neben 2 Hochdeckern mit riesigen Sternmotoren - 260 PS (werden zum Schleppen der Sfz. benutzt) werden unsere Flugzeuge verzurrt und verstaut. Die müssen auf dem Platz übernachten.

Wir fahren nach Mittweida zu meinen Verwandten, sind herzlich aufgenommen und mit Kaffe und Kuchen und abends grillen toll bewirtet.

Samstag früh nach prima Nacht und Frühstück und Verabschiedung von Hannelore bringt uns Seppel wieder zum Platz. Viele Segelflieger sind schon da und bauen die Winde Segelflugstart auf. Hallo und herzliche Begrüßung. Einer der Kameraden hat nach der Wende in Buchen gearbeitet, gibt Gesprächsstoff.

Wawa's Flieger wird bewundert. So ein Eigenbau “M 76“ - D-KWAT ist schon was besonderes!

Ich packe Seppel in den Motorsegler und wir fliegen nach Mitweida, um seine Heimatstadt von oben betrachten zu können. Was hat sich da seit der Wende alles verändert. Das graue Mäuschen hat sich zu einer schmucken Stadt gemausert. Altstadtfest und alles ist geschmückt und sieht toll aus. Seppel ist begeistert! Wir landen wieder und machen uns fertig für den nächsten Flug. „Kommt mal wieder sagen die Sachsen“. Diese Freundlichkeit ist eine Landung wert!

Jena ist unser Ziel. Tschüßi - wir winken und sind wieder in der Luft.

Sonne im Rücken, so ist die Sicht heute prima. Aber die Hitze macht uns schon wieder zu schaffen und es kam noch viel schlimmer - bis zu 39° war es an dem Tag. Oben nicht so sehr, denn je höher, je kühler (Faustregel: pro 100m 1° C weniger), doch die Sonne scheint ja voll in das schattenlose Cockpit, so strengt es auf Dauer eben doch sehr an.

Wir überfliegen die Tschopau, Chemnitz bleibt links liegen. Kontrollzone Altenburg ist unter uns, wir sind hoch genug und dann taucht Gera vor uns auf, eine große Stadt, viel Industrie. Wir überfliegen die Autobahn nach Berlin und schon sehen wir den Flp-Jena. Im Funkverkehr ist viel los, wir überfliegen den Platz zu unserer Info - schau an, ein Flugtag. Wir reihen uns in den Platzverkehr und landen. Allerhand los! Viele Oldtimer, Modellflug, Bundeswehr mit Ausstellung, viele Buden, Kinderkarusell und natürlich Kunstflug.

Wir stärken uns erst mal und müssen viel, viel trinken und genießen die Vorführungen. Ein tolles Erlebnis: Wir sehen einen „Dreier-Segelflug-Schlepp“. Doppelschlepp machen wir ja auch in Walldürn, aber drei Sfz. auf einmal, habe ich noch nie gesehen Beeindruckend! Eine tolle Vorführung, was die drei Piloten da zeigen. Eine tolle blitzsaubere Formation die in einen Kreisflug genau über dem Platz übergeht mit anschließendem astreinen Überflug über die Zuschauer mit anschließender Landung nebeneinander. Super! Kompliment den Kameraden. Die haben sicher viel geübt. Hat Spaß gemacht.

Weiter geht's, wir machen jetzt Pilotenwechsel und nun fliegt Elmar den Motorsegler. Coburg ist das nächste Ziel. Die Thermik über dem Thüringer Wald ist teilweise sehr heftig. Was uns wundert, kein Segelflieger zu sehen. Rechts von uns ist die Saale, dann links die Hohenwarthe-Talsperre und dann - wir fliegen einen Kreis, um das genauer zu betrachten. Ja das sind die Reste der DDR-Grenzanlagen. „Niemandsland“ Tiefe Schneisen im Waldgebiet.

Funkkontakt mit Coburg, wir landen. Schrecklich diese Hitze, es wird zu viel. Wir tanken die Flieger voll und dann uns selbst- das zischt. Lieber hätten wir ja jetzt ein kühles Radler - aber Alkohol darf nicht sein!

Schön der Anblick der Coburger Festung, der Flugplatz ist dicht daneben. Nach entspannender Erfrischung kommt die letzte Etappe, Heimflug nach Walldürn.

Die Sicht ist super, vor uns die Hassberge, der Main , Hassfurt, die Türme des Kraftwerkes von Schweinfurt sind weit zu sehen, ein markanter Punkt. Wir überfliegen Würzburg, herrlich das Stadtbild mit Schloss und Festung. Die Heimat naht, Tauber und schon sehen wir unseren Platz. Hallo Walldürn D-KDEU Landeinfo - Endteil, super Landung, die Erde hat uns wieder.

Ach war das schön! Jetzt gönnen wir drei uns erst mal ein Bier, es zischt! Man gönnt sich ja sonst fast nichts...

So, jetzt den Flieger waschen, Bordbuch fertig machen, aufräumen, Entspannung, tut das gut. Jetzt merken wir, wie sehr wir unter der Hitze leiden mussten.

Und für die Statistik, die persönliche: 6:07 Std. Flugzeit, Distanz ca. 700 km, Spritverbrauch 65 l = 10.6 l / Stunde, bzw. 9,3 l/ 100 km

Wir stellen fest, SUPER war es, müsste man öfter machen...

Klaus Krisch

© Klaus Krisch   –   26.08.2001

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