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"Über den Wolken" soll auch Motto für die Zukunft sein

Ausbau geplant: Startbahn wird verlängert / Anflugbefeuerung macht Landungen auch bei schlechter Sicht und Nacht möglich

Walldürn. "Über den Wolken" - dieses bekannte Motto aus dem Lied von Reinhard Mey soll auch in Zukunft für die Nutzung des Verkehrslandesplatzes Walldürn gelten. Das ist auf jeden Fall das Ziel von Bürgermeister Karl-Heinz Joseph und dem Flugsportclub Odenwald mit seinem Vorsitzenden Kuno Böhrer an der Spitze. Eine Reihe von Gesprächen zu diesem Thema mit Ämtern und Behörden hat bereits stattgefunden. Hintergrund der Bemühungen: die Europäische Harmonisierung im Bereich der Verkehrslandeplätze.

Die zwingt zum Handeln. Bürgermeister Karl-Heinz Joseph sieht den "Bestand dieser wichtigen Verkehrsinfrastruktureinrichtung in Frage" gestellt, wie er im Gespräch mit den FN sagte. Die Betriebsvorschrift für den gewerblichen Flugverkehr mit Flächenflugzeugen, so das Stadtoberhaupt weiter, schreibe eine Mindestlandebahnlänge für den gewerblichen mehrmotorigen Flugverkehr vor, die spätestens Ende 2004 in Kraft tritt. Die Mindestlänge betrage gemäß dieser Vorschrift 1300 Meter. Die jetzige bestehende Landebahn habe jedoch nur eine Länge von rund 760 Meter, so dass eine Verlängerung von rund 540 Meter erforderlich wird. Und da, so der Bürgermeister, weiter, komme auch die Landesstraße 577 von Walldürn nach Waldstetten ins Gespräch.

Denn aus technischen Gründen könne die Landebahn nur in westlicher Richtung hin ausgebaut werden, so Joseph. Eine Erweiterung in Richtung Höpfingen sei aus topographischen wie auch aus Gründen der Beschaffenheit des Bodens nach jetzigem Kenntnisstand nicht realisierbar. Die einzige Erweiterungsmöglichkeit, welche den Erhalt des Verkehrslandeplatzes sicher stellen kann, müsse zwangsläufig zu einer Verlegung der Landesstraße 577 führen.

Die Gretchenfrage für den Bürgermeister hierbei ist: "Wer bezahlt das?" Bei Gesprächen mit dem Straßenbauamt sei der Stadt mitgeteilt worden, dass eine Verlängerung der Landebahn und die damit verbundene Verlegung der Landesstraße, die eine Aufgabe der Straße als Landesstraße zur Folge hätte, und die hieraus entstehenden Kosten vom Veranlasser zu tragen sind. Eine Sicht, die der Kommunalpolitiker so nicht teilt. "Ich persönlich bin der Auffassung, dass wir das Land etwas mehr in die Pflicht nehmen sollten", sagte Joseph. Die Landesstraße, daran gebe es keinen Zweifel, "ist in einem Zustand, der nach Ausbau schreit". In dieser Einschätzung sei er sich auch mit seinem Bürgermeister-Kollegen aus Höpfingen einig. Das Problem bei der Sache: Ein Ausbau der Landesstraße 577 ist nicht im vordringlichen Bedarf des Generalverkehrsplanes des Landes enthalten.

Der Verkehrslandeplatz ist eine feste Größe in der Region und wird schon heute rege genutzt, etwa von Firmen. In dieser Beurteilung herrscht zwischen Bürgermeister Joseph und Kuno Böhrer, dem Vorsitzenden des Flugsportclub Übereinstimmung. Der Flugplatz Walldürn hat den Status eines Verkehrslandeplatzes mit Öffnungspflicht für den allgemeinen Luftverkehr, sagte Kuno Böhrer im Gespräch mit den FN. Hier seien Flugzeuge stationiert, die mehrmals in der Woche für Geschäftstermine genutzt werden. Selbst diese kleinen Flugzeuge haben eine Reichweite von bis zu 2000 Kilometer und ermöglichen eine schnelle und komfortable Reise nach vielen Zielen in Europa. Ein überzeugendes Argument in Zeiten von immer mehr Verkehr auf den Straßen.

In den letzten Jahren habe sich die individuelle Geschäftsfliegerei immer mehr von den Flughäfen (etwa Stuttgart oder Frankfurt) zu Verkehrslandeplätzen wie Walldürn verlagert, so Böhrer. Das hänge mit dem steigenden Flugaufkommen und den hohen Kosten auf den Flughäfen zusammen. "So haben wir Flugzeuge aus dem Raum Stuttgart und Frankfurt hier stationiert. Damit leistet der Verkehrslandeplatz Walldürn Flugsportclub einen wichtigen Beitrag zur ländlichen Infrastruktur."

Die Harmonisierung und die damit verbundenen neuen Vorschriften führte auch Böhrer an. Unter anderem sei für den Geschäftsverkehr mit zweimotorigen Flugzeugen ab Inkrafttreten dieser Vorschrift eine Landebahnlänge von circa 1400 Meter notwendig. Und weiter: "Um den Bestand des Verkehrslandeplatzes Walldürn für die Zukunft zu sichern, ist ein Ausbau nach diesen Vorschriften notwendig."

Böhrer sieht diesen Ausbau aber erst als zweiten Schritt. Zuerst stehe als erster Schritt, unabhängig von der Entwicklung in Sachen Landesstraße, eine Verlängerung der Landebahn auf 1000 Meter auf dem Plan. Und der Verkehrslandeplatz Walldürn wird eine Anflugbefeuerung bekommen. Damit sind Landungen unabhängig vom Wetter, bei dem derzeit oft herrschenden Nebel etwa ein Problem, oder auch bei Dunkelheit möglich. Für beide Vorhaben gebe es Pläne, die, so Böhrer, baldmöglichst umgesetzt werden sollen. Sprich im kommenden Jahr.

Betrieben wird der Verkehrslandeplatz von der Bau- und Betriebs GmbH Flugplatz Walldürn, sagte Böhrer. "Walldürn ist einer der wenigen Verkehrslandeplätze, der nicht in öffentlicher Hand ist. Und er schreibt schwarze Zahlen." Das können auch nur wenige Plätze von sich sagen. Das Geheimnis dieses Erfolges: Ehrenamtliches Engagement der Mitglieder des Flugsportclubs. Einen Angestellten gebe es, alles andere werde ehrenamtlich erledigt.

Die Zukunft des Verkehrslandesplatzes Walldürn will man nicht dem Zufall überlassen, da sind sich alle Beteiligten einig. Daher laufen auch schon seit einiger Zeit die Bemühungen zur Bestandsicherung. Ob sie Erfolg haben, wird sich zeigen. Die Zukunft soll aber mit Blick auf den Verkehrslandeplatz Walldürn auch weiterhin "über den Wolken" stattfinden.

© Fränkische Nachrichten   –   18.10.2001

 

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