titel

voriger Artikel  |  zurück zum Archiv  |  nächster Artikel

Im "Gewitterfliegen" die Übersicht behalten

Herbert Zemmel übernimmt bei Europameisterschaften die Gesamtführung / Ehefrau unterstützt, wo sie nur kann

Litauen ist für die Walldürner Segelfliegerfamilie Zemmel eine neue faszinierende Erfahrung. Hier am Flugplatz Pociunai, an dem die Europameisterschaften derzeit ausgetragen werden, herrscht noch überwiegend das dörfliche Leben. Kleine Gärten, einfache Häuser und grasende Kühe strahlen ein bescheidenes intaktes Leben aus. Neben alter bäuerlicher Idylle entstehen auch neue Häuser oder, wie hier am Flugplatz, die LAK17 als Glanzprodukt der Litauischen Segelflugzeugbauer.

Man spürt es, Litauen befindet sich im Umbruch. Von alle dem bekommt Herbert Zemmel nur sehr wenig mit, wenn er sein kleines Häuschen am Rande des Flugplatzes verlässt. Dann geht die Arbeit aber los. Mit Frau Hilde wird der "Ventus 2a" für den Wettbewerbsflug vorbereitet und zum Startplatz gebracht. Dabei geht es erst einmal über die Waage, um das Gewicht des Segelflugzeuges festzustellen. "Hat man zu viel Wasser in die Flügel getankt, kann man es hier unter strengen Augen eines Wiegemeisters wieder ablassen", berichtet Zemmel. Folgend geht es zur Bekanntgabe der Tagesaufgabe, nach der dann Herbert Zemmel seine Flugaufgabe in den Flugschreiber einspeichert. Frau Hilde poliert die Flügel, um dem Wolkenrennpferd höchste Leistung zu verschaffen. Ist der Start erfolgt, kann die Lehrerin vom Ganztagsgymnasium Osterburken kurz Kraft schöpfen: Einkaufen, Teekochen, etwas Mittagsruhe und am Funk mit Ehemann Herbert mitzittern.

Wenn die Aufwindspezialisten abends dann im Dutzend einfallen, muss Hilde Zemmel schnellstens ihren Mann und weitere Piloten vom Flugfeld abholen. Danach heißt es, die Logger abzugeben, sich mit Flugfreunden austauschen - und auf eine gute Platzierung hoffen. Zu guter letzt genießen die Zemmels mit einer Fahrradrunde am späten Abend die Umgebung von Pociunai.

Am sechsten Wertungstag spülten Gewitter die Segelflugzeuge reihenweise vom Himmel. Keiner der 29 Starter ereichte das Ziel. Immer wieder standen den Piloten auf ihrem Flugkurs Gewitter im Weg. Herbert Zemmel erreichte 186 Kilometer (Platz sieben) und führt nun zur Freude seiner Walldürner Kameraden mit 4095 Punkten die Wertung der 15- Meter Klasse an. "Es ist schon ein bewegendes Gefühl, bei einer Segelflug- EM in Führung zu liegen", strahlt Zemmel. Doch er weiß: Die Endabrechnung erfolgt erst am Samstag und noch stehen vier anstrengende Flugaufgaben ins Haus.

Axel Horn aus Hockenheim wurde schon nach 23,9 Kilometer vom Himmel geregnet, was Platz 23 der Tageswertung bedeutete. Gesamt findet man Horn immer noch auf einem sechsten Platz mit 3847 Punkten. Noch schlechter erging es den Irländer James Weston, er bekam gerade einmal 0,3 Kilometer gewertet. Heute wird Zemmel - bei schönen Flugwetter- zu einer 311 Kilometer Mehrecksaufgabe starten. Mal sehen, ob der Walldürner seinen ersten Platz verteidigen kann.

Lothar Schwark

 

© - Flugsportclub Odenwald e.V. Walldürn  • letztes update  25.03.2006 •  Impressum • Disclaimer • Sitemap

website durchsuchen
FSCO NEWS feed