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Segelfliegen im Paradies

Tolle Basishöhen und Steigwerte über Parowan/Utah

Es geschah für mich etwas überraschend, als ich letztes Jahr im Oktober einen Brief vom DAeC bekam, in dem stand, dass ich den Günther-Jacobs-Preis gewonnen habe. Von dem letztjährigen Gewinner Achim Besser hatte ich gehört, dass Parowan und Umgebung wohl ein thermisch sehr gutes Gebiet ist. Ich war überglücklich, dass ich so etwas Schönes gewonnen hatte. Nicht nur, weil ich dort kostenlos fliegen konnte, sondern viel mehr, weil es ein Traum von mir war in und über dem Westen der USA segelfliegen zu können.

Nach einigen E-Mails mit Günther, wusste ich, dass ich am 18.7.2004 nach Las Vegas fliegen und dort von Parowan aus mit einer ASW24 tolle Flüge haben würde. Nach meinen Prüfungen an der FH ging es dann endlich nach Frankfurt zum Flughafen. Nach einem schönen Flug über Island, Grönland und den Osten Kanadas landete die Boing 767 in Las Vegas. Ich sah Thermikwolken so hoch und schön wie ich sie nicht einmal in Südafrika gesehen hatte. Die Temperatur lag um 40°C und es war Staubtrocken. Nach einigen Stunden mit dem Bus quer durchs Land endete der Tag bei Günther in Parowan.

Am 19.7. wurde ich erst einmal in die Landschaft theoretisch eingewiesen. Danach startete ich zu einem kurzen Kennenlernflug mit der 24. Durch stärkere Gewitter musste ich leider nach zwei Stunden wieder landen.

  

Ab dem 20.7. ging es dann aber richtig los. Ich flog den Hauptzug der Rockys, an dem Parowan liegt,150km nach Norden, wendete dort und schnupperte mal so etwa bis 70km südwestlich von Parowan in die angrenzende Wüste zwischen Utah und Nevada. Die Basis startete mit nur 4400Metern MSL und stieg bis zum Nachmittag auf 4800m an. Die Steigwerte waren bis auf den Anfang nie unter 3m/s.

Durch die noch zu feuchte Luftmasse mit ca. 30-40% Luftfeuchtigkeit kam es auch an den folgenden Flugtagen zu teils kräftigen Gewittern und vielen Schneeschauern. Faszinierend dabei war, dass diese nicht den Boden erreichten.

Mein Ziel war es natürlich 1000km zu fliegen, was auch nicht unrealistisch war. Leider konnte ich oft erst um 11-11:30Uhr starten und hatte dann häufig noch Schwierigkeiten eine vernünftige Starthöhe zu erreichen. Gegen Nachmittag versperrten größere Schauer den Weiterflug zum südlichen Wendepunkt. Das heißt aber nicht, dass ich nur am Platz rum geflogen bin. Ich hatte eben nicht das 1000er Wetter. Das gibt es auch dort nicht jeden Tag. Das Wetter ließ es aber trotzdem zu, dass ich zwei mal 800km, mehrmals 700km und viele 600km-Flüge erzielen konnte.

Sehr beeindruckend fand ich die Landschaft mit ihren roten Felsen den atemberaubenden Nationalparks und der grenzenlos erscheinenden Wüste.

  

Die Basis lag normalerweise bei über 5000m MSL und wenn man in einem Bart unter 3-3,5m/s kurbelte, drückte das in der Regel den Schnitt. Durch Wolkenstraßen, die durchaus auch mal 150km lang sein können kann man extrem hohe Schnittgeschwindigkeiten fliegen. Dazu kommt noch die Höhe, die hilft die Groundspeed zu erhöhen. Bei Schnittgeschwindigkeiten, die langsamer als 100km/h waren hat man entweder eine Sight-Seeing-Tour gemacht oder es waren Schauer im Weg gestanden, die etwas größer sind, als die, die wir aus Deutschland kennen.

Wer sich für meine Flüge interessiert kann diese selbstverständlich aus dem OLC herunterladen und sich selbst überzeugen, dass der Westen der USA wohl eines der besten Segelfluggebiete der Welt ist. Denn man hat während des Fluges auch Landschaft, die wirklich sehenswert ist. Nicht wie in anderen guten Segelfluggebieten, wo man den ganzen Tag nur eintönige Wüste sieht.

Mit dem Segelfliegen war es aber noch nicht genug. Günther spendierte mir noch einen Flug mit einer Cessna 182 zum Grand Canyon. Morgens um 8:00Uhr Takeoff in Parowan, ging es erst mal nach Page am Lake Powell. Nach der Zwischenlandung den Canyon nach Westen hinunter. Mir fehlen immer noch die Worte zu dieser Landschaft. Einfach genial, was die Natur schaffen kann.

Vom Canyon wieder zurück, konnte ich es nicht lassen und setzte mich nach 3h Motorflug noch für 7h in die 24 und flog ein 500km FAI-Dreieck mit einem 127er Schnitt, wobei der letzte Schenkel mit ca.150km und einem 106er Schnitt durch einen ungeschickten Flugweg bremste. Am Abend erweiterte ich die Strecke noch um 200km auf 700km. Das ist fliegen, wie man es sich vorstellt.

Nach zwei Wochen fliegen intensiv, hatte ich mit 9 Flügen 60 Stunden und 5743 Kilometer geflogen. An dieser Stelle möchte ich den Preisträgern der Saison 2004 gratulieren und wünsche euch nächstes Jahr in Parowan super interessante Flüge.

  

Es gab aber auch noch etwas neben dem Fliegen zu sehen. In der Umgebung von Parowan gibt es mehrere Nationalparks, die nur 1-2 Autostunden entfernt sind. Wolfgang Schmelzer, ein deutscher Segelflieger, der normalerweise in Florida fliegt und zur selben Zeit in Parowan war, fuhr mit mir in den Bryce Canyon Nationalpark. Dort kann man große rote Felsen sehen, die durch Erosion und Temperaturunterschiede entstanden sind (siehe Bild). Ebenfalls unternahmen wir Wandertouren von Parowan aus, die nicht über Wanderwege sondern quer Feld ein in die Berge gingen.

Zum Ende meines Aufenthaltes war ich noch einen Tag in Las Vegas, um vielleicht auch mal eine eher atypische amerikanische Stadt zu sehen. Beeindruckend dabei fand ich, wie viel Gewinn die Casinos dort machen, um so extravagante Hotels und Entertainment zu bauen. Eine Nacht im Stratosphere Tower mit tollem Überblick über Vegas beendete meinen doch sehr schnell vergangenen Urlaub in den USA.

Der Rückflug war dann über Nacht vom 4. auf den 5.8. Als wir im Anflug auf Frankfurt waren, sah ich auch schon die ersten Segelflugzeuge auf verschiedenen Flugplätzen stehen und freute mich auf die Deutschen Juniorenmeisterschaft in Wilsche.

Zum Ende möchte ich noch sagen, dass für jeden, der einmal bei sehr guten Segelflugbedingungen fliegen will, kombiniert mit Sight-Seeing-Urlaub, Parowan bestens geeignet ist.

Für nähere Auskünfte stehe ich natürlich zur Verfügung.

Stephan Zemmel

© - Flugsportclub Odenwald e.V. Walldürn  • letztes update  25.03.2006 •  Impressum • Disclaimer • Sitemap

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