"How to" ... Fliegen im Schnee
Nachdem dieses Jahr der Winter mal wieder richtig Einzug gehalten hat im Odenwald, möchten wir an dieser Stelle auf die Frage eingehen, ob im Winter eigentlich geflogen werden kann?
Zuerst einmal taucht sofort nach dem ersten Schnee immer die Frage auf: "Wann wird denn der Flugplatz geräumt?"
Seit Jahren verfolgen wir die Praxis, den Flugplatz nicht zu räumen, aus folgenden Gründen: Im Gegensatz zu Flughäfen stehen uns keine Schneefräsen zur Verfügung, die ein Räumen und "Wegschleudern" des Schnees ermöglichen. Würden wir stattdessen mit dem Pflug räumen, entstehen Schneewälle, die dann weit über die erste Schneeschmelze hinaus ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Bei den üblicherweise eher kleinen Schneehöhen ist es dennoch möglich zu fliegen, wenn du ein paar wichtige Tipps und Regeln beachtest, die wir hier kurz und prägnant zusammenfassen möchten:
- Nimm Helfer mit (die Vorbereitungen brauchen Kraft - das schaffst du nicht allein!)
- Schneebeschaffenheit prüfen: Bei lockerem Pulverschnee wirst du ganz gut beschleunigen können, nasser Schnee bremst dich beim Startlauf eventuell zu stark.
- Unbedingt die Schienen der Hallentore schneefrei machen - vor dem ersten Öffnen! Wenn sich der Schnee nämlich erst mal unter den Toren "verteilt" hat, friert alles ein, und die Tore lassen sich dann auch mit vereinten Kräften nicht mehr bewegen.
- Flugzeug ohne Radschuhe wählen oder ggf. Radschuhe demontieren (lassen). Niemals mit Radschuhen im Tiefschnee rollen oder starten, der Schnee sammelt sich nämlich im Radhaus und lässt das Rad festfrieren, was bei der Landung böse enden kann.
- Motor warm laufen lassen: Dies gilt grundsätzlich ja immer, dauert aber im Winter länger, hier darf nicht gespart werden!
- Beim Start ggf. rechtzeitig Startabbruch durchführen: Beim Briefing ein klares "Gate" für den Startabbruch festlegen, z.B. die Halbbahnmarkierung.
- Bei Start und Landung auf Schnee oder Eis möglichst nur aerodynamisch lenken und das Bremsen vermeiden.
- Landung wenn möglich abseits von Fahrspuren im "frischen" Schnee, um ein Ausbrechen durch "einseitige Widerstände" (durch Fahrrinnen im Schnee) zu vermeiden.
Außerdem ist Folgendes grundsätzlich zu beachten:
- nimm einen Fluglehrer mit, wenn du dir unsicher bist.
- Bei den Diesel-Flugzeugen gelten Mindest-Kraftstoff-Temperaturen zum Start des Motors und zum Fliegen (siehe Flughandbuch).
- Trag- und Steuerflächen müssen schnee- und eisfrei sein.
- bei Temperaturen von -6°C und darunter sollte das Triebwerk vorgewärmt werden. Vorwärmgerät in Werft verfügbar (nur unter Aufsicht laufen lassen, nicht über Nacht!)
- wenn du im Cockpit heizen willst, macht ein CO Warngerät Sinn.
- nimm warme Kleidung / Schuhe mit; nichts wäre blöder, als nach geglückter Außenlandung zu erfrieren.
- im Schnee sind Rollwege / Landebahn nicht mehr klar erkennbar; orientiere dich ggf. an anderen Referenzen wie den Papis oder der Halbbahnmarkierung.
- sei dir bewusst dass der im Winter typische Bodennebel plötzlich zurückkehren kann, und die Tage kurz sind (auf Plan B / Ausweichmöglichkeit vorbereitet sein).
Disclaimer
- Die oben geschilderten Punkte haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und müssen auch nicht in jeder beliebigen Situation richtig sein.
- Wir sind aber der Meinung, dass wir mit den zusammengestellten Informationen einen wertvollen Beitrag zur Flugsicherheit leisten können.
- Wenn du Ergänzungen / Anregungen dazu hast, darfst du gerne schreiben an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!